IS-Kämpfer aus China

Zwischen 2013 und 2014 sind mehr als 100 Chinesen der Terrormiliz IS beigetreten. Dies geht aus einer aktuell veröffentlichten Studie des amerikanischen Think-Tank New America Foundation hervor. Von den laut Berichten insgesamt 114 Chinesen, sollen rund 95% aus der muslimisch geprägten Provinz Xinjiang stammen. In den beiden Jahren soll sich laut der Studie jedoch keiner direkt am Dschihad beteiligt haben.

Mit Veröffentlichung dieser Daten könnte sich die zukünftige Darstellung der uigurischen Minderheit in den westlichen Medien nun grundlegend ändern.

Bislang wurde sie meist als diskriminierte und unterdrückte Minderheit dargestellt, die Repressalien des chinesischen Staates ertragen muss. So wurde bei einem Autoanschlag im Oktober 2013 auf dem Tiananmenplatz in Peking, bei dem fünf Uiguren mit einem Auto absichtlich in eine Menschenmenge fuhren und dabei drei von den Insassen sowie zwei weitere Passanten getötet und 38 Personen verletzt wurden, in den deutschen Medien flächendeckend eher zurückhaltend berichtet. Wie auch in Berichten von ntv oder der Welt heute noch nachzulesen ist, wurde der Terrorakt als solcher nicht so wahrgenommen, sondern das Wort Terroranschlag oftmals in Anführungszeichen („Terroranschlag“) gesetzt. Die Kritik am Umgang der chinesischen Regierung mit den Minderheiten in der Provinz klang bei vielen Berichterstattungen über das Attentat in den Herbstmonaten mit.

Natürlich ist es richtig und wichtig, die Vorfälle erst sorgfältig zu prüfen und zu recherchieren bevor man berichetet. Auffallend ist in diesem Zusammenhang aber, dass man bei Vorfällen in Europa meist von einem mutmaßlichen Terroranschlag spricht und nicht „Terroranschlag“ schreibt. Das Setzen von Anführungszeichen ist in diesem Zusammenhang nicht nur als Zitat zu verstehen, sondern impliziert gleichermaßen, dass eine andere Partei diesen Vorfall so bezeichnet, der Autor des Artikels aber selbst nicht unbedingt davon ausgeht.

Mit der kürzlich veröffentlichten Studie wird nun hoffentlich auch in westlichen Medien der Umgang der chinesischen Regierung mit der zunehmenden Radikalisierung der muslimischer Minderheit der Uiguren in der Provinz Xinjiang und ihrer Vernetzung zum Islamischen Staat aus einer anderen Perspektive heraus betrachtet werden können.

Quellen:

智库报告:中国高压政策迫使维吾尔人加入伊斯兰国

Wall Street Journal – Over 100 Chinese Fighters Have Joined Islamic State in Syria

– Jana Knebel

 

 

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